Ende gut, alles andere fragwürdig

Nach dem die Vollversammlung der Vinzenzgemeinschaft am Samstag 3. Oktober den Kompromiss um das Kalterer Tertiarkloster abgelehnt hat, hat gestern der Gemeinderat von Kaltern wie erwartet das Vorkaufsrecht für das Kloster gezogen.

Fazit; der Weg war falsch, das Ergebnis nicht. Was sich auf den ersten Blick wie ein Immobiliengeschäft darstellte, war in Wahrheit eine Entscheidung mit erheblichen Auswirkungen auf die Zukunft des Ortszentrums und auf die einheimische Kalterer Bevölkerung. Hätte die Vinzenzgemeinschaft diesen Kompromissvorschlag angenommen, wäre dies nichts anderes als „eine Ghettoisierung und ein Asylantenheim in Premiumlage im Herzen von Kaltern“, wie es ein SVP-Gemeinderat selbst formuliert hat.

Bereits heute leben, in den am Kloster angrenzenden Haus Elisabeth, zwölf Familien mit Migrationshintergrund und zudem wird sich die Gemeinde Kaltern am Gratiswohnen Projekt von Frau Pamer beteiligen. Und auch im selbsternannten „Haus der Solidarität“ wären, so Wirth Anderlan, wohl kaum Kalterer oder Südtiroler untergebracht worden. Im Jahr 2024 lebten im Haus der Solidarität in Brixen Menschen aus 23 verschiedenen Nationen, darunter Pakistan, Bangladesch, Senegal, Indien, Nigeria, Libanon, Afghanistan, Gambia, Mali, Algerien, Marokko, Guinea, die Ukraine, Somalia, die Türkei, Eritrea, Rumänien, Sudan, Irak, Palästina und Italien.

Besonders kritisch ist zudem der zeitliche Ablauf, denn die Gemeinde wusste seit knapp 2 Jahren Bescheid. Die Gemeindeverwaltung von Kaltern war bereits seit dem 17. Jänner 2025 in die Pläne rund um den Verkauf des Klosters eingebunden, was Dokumente belegen aber auch die Aussage der Provinzoberin, Schwester Klara Rieder, die in einem Morgengespräch auf RAI Südtirol meinte: „die Ex Bürgermeisterin Gertrud Benin Bernard war eine Hausfreundin bei uns und auch der neue Bgm wusste und weiß Bescheid.“

Am 9. Dezember 2025 fand ein weiteres Treffen im Gemeindehaus in Kaltern statt. Die Präsidentin und ein Vorstandsmitglied des AEB – Aktive Eltern von Menschen mit Behinderung – informierten Bürgermeister Pillon und Gemeindereferentin Florian darüber, dass der Vinzenzverein das Kloster kaufen möchte und deshalb dringender Handlungsbedarf seitens der Gemeinde bestehe. Aussagen die, so der Kalterer Landtagsabgeordnete, Fragen aufwirft.

„Warum wurde schon damals nichts getan? Warum wurde nicht gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen und Alternativen gesucht? Wenn die Gemeinde bereits seit Jänner 2025 über die Pläne informiert war, kann heute nicht glaubwürdig so getan werden, als sei die aktuelle Situation völlig überraschend entstanden“, verdeutlicht Jürgen Wirth Anderlan.

Wenn Scheitern plötzlich wie ein Erfolg aussieht, dann ist das im Endeffekt nur dem im Mai eingebrachten Beschlussantrag der Liste JWA „Wohnraum für Einheimische“- in dem speziell auch der Verkauf des Klosters in Kaltern behandelt wurde – zu verdanken, der die Kalterer Bevölkerung wachrüttelte und die Gemeindeverwaltung endlich zum Handeln zwang.

Nun haben die Kalterer ein Recht auf Transparenz darüber, was im Tertiarkloster konkret geplant wird, so abschließend Jürgen Wirth Anderlan.