Morgen, am 5. September, jährt sich die Unterzeichnung des Gruber-De-Gasperi-Abkommens zum 80. Mal. Der Pariser Vertrag bildet bis heute die völkerrechtliche Grundlage der Südtiroler Autonomie. Für Jürgen Wirth Anderlan ist das Jubiläum Anlass, sich zu erinnern, dass diese „Autonomie“ für Südtirol keine endgültige Lösung sein kann.
Die Autonomie hat wesentlich dazu beigetragen, die deutsche und ladinische Volksgruppe, ihre Sprache und ihre ethnokulturelle Eigenständigkeit zu schützen. Sie war damit ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Für Jürgen Wirth Anderlan kann sie jedoch nicht die endgültige politische Lösung für Südtirol darstellen.
Echte Autonomie heißt Sezession
Aus der Sicht des Landtagsabgeordneten muss das Ziel über die bestehende Autonomie hinausgehen: hin zum Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler und damit zur Möglichkeit, selbst über die künftige staatliche Zugehörigkeit des Landes zu entscheiden.
„80 Jahre nach dem Pariser Vertrag sollten wir nicht nur darüber reden, welche Rechte Südtirol bekommen hat. Wir müssen uns auch fragen, wohin unser Weg führen soll. Die Autonomie war ein wichtiger Schritt – Sezession bleibt für uns aber das eigentliche Ziel“, erklärt Landtagsabgeordneter Jürgen Wirth Anderlan.
Autonomie bedeutet für Wirth Anderlan deshalb nicht Endpunkt, sondern Ausgangspunkt für das Selbstbestimmungsrecht: Die Menschen in Südtirol sollen selbst darüber entscheiden können, welche Regeln im Land gelten und welchen politischen Weg ihre Heimat künftig einschlagen soll.
Jene nicht vergessen, die Opfer gebracht haben
Wer am 5. September die Südtiroler Autonomie würdigt, muss, so Wirth Anderlan, auch jener Menschen gedenken, die in den schwierigen Jahrzehnten der Südtiroler Nachkriegsgeschichte übermenschliche Opfer für unsere Heimat gebracht haben.
Dazu gehören insbesondere die Freiheitskämpfer der 1960er-Jahre. Viele von ihnen nahmen Verfolgung, Haft, ein Leben im Exil fern ihrer Heimat oder sogar den Tod auf sich. Nach Ansicht Wirth Anderlans waren sie es, die mit ihrem Einsatz entscheidend dazu beitrugen, den politischen Druck aufzubauen, ohne den die Südtirolfrage kaum jene internationale Aufmerksamkeit und Dringlichkeit erreicht hätte, die sie schließlich erhielt.
„Wir dürfen heute nicht so tun, als wäre unsere Autonomie allein am Verhandlungstisch entstanden. Die Freiheitskämpfer haben einen entscheidenden Anteil daran, dass überhaupt jener Druck entstand, der Bewegung in die Südtirolfrage brachte. Silvius Magnago und die politischen Vertreter haben diesen Weg später am Verhandlungstisch weitergeführt und institutionell abgesichert“, so Wirth Anderlan.
Stellvertretend erinnert JWA an Siegfried Steger, den letzten der vier Puschtra Buibm, der am 21. Februar dieses Jahres im Alter von 86 Jahren in Telfs verstarb. Steger lebte nach seiner Flucht jahrzehntelang in Österreich und konnte aufgrund seiner Verurteilung in Italien nicht dauerhaft in seine Südtiroler Heimat zurückkehren.
Für den Landtagsabgeordneten darf die Geschichte der Autonomie deshalb nicht auf Verträge, politische Verhandlungen und offizielle Festakte reduziert werden. Sie sei auch die Geschichte jener Menschen, deren Einsatz und persönliche Opfer dazu maßgeblich beitrugen, dass die ungelöste Südtirolfrage nicht länger ignoriert werden konnte.
Die entscheidenden Kompetenzen fehlen weiterhin
Gerade bei zentralen politischen Fragen liegen wesentliche Zuständigkeiten nach wie vor nicht beim Land. JWA fordert deshalb weitergehende Kompetenzen in den Bereichen Bildung, Sicherheit, Migration, Wohnen, Wasser, Energie, Landwirtschaft, Steuern und Gesundheit.
Der Tag der Autonomie dürfe deshalb nicht zu einem jährlichen Festakt werden. Vielmehr müsse er Anlass sein, offen darüber zu diskutieren, wo die heutige Autonomie an ihre Grenzen stößt.
„Eine Autonomie, bei der über entscheidende Fragen weiterhin außerhalb Südtirols entschieden wird, kann aus unserer Sicht nur ein kleiner Zwischenschritt sein“, so Wirth Anderlan. „Unser Ziel bleibt, dass die Menschen in Südtirol selbst über die Zustände in ihrer Heimat entscheiden können.“
Eigenständigkeit nach wie vor die einzige Lösung
In diesem Zusammenhang verweist Wirth Anderlan auch auf das Selbstbestimmungsrecht Südtirols. Aus seiner Sicht sollen die Südtiroler selbst darüber entscheiden können, wie weit die politische Eigenständigkeit des Landes künftig gehen soll und welche staatliche Zugehörigkeit sie für ihre Heimat wünschen.
Der 80. Jahrestag des Pariser Vertrages sei deshalb nicht nur ein historischer Gedenktag. Er biete die Gelegenheit, sich an jene zu erinnern, die den Weg Südtirols mit persönlichen Opfern mitgeprägt haben, und zugleich darüber nachzudenken, wie sich Südtirol in seiner Verwaltungsbefugnis in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll.
Für Jürgen Wirth Anderlan ist daher klar: „Die richtige und konsequente Lösung für Südtirol bleibt nach wie vor die Sezession.“
