Die Liste JWA brachte im Südtiroler Landtag einen Antrag ein, mit dem Ziel, das sogenannte SOS-Handzeichen bekannter zu machen und damit insbesondere Frauen und Kinder besser zu schützen. Die SVP stellte sich jedoch gegen diesen Vorschlag. Die politische Brandmauer wog am Ende schwerer als der konkrete Schutz von Menschen.
Wie Jürgen Wirth Anderlan in den Prämissen des Antrags ausführt, wird in Italien im Durchschnitt jeden dritten Tag eine Frau ermordet. Gewalt gegen Frauen sei jedoch kein isoliertes Frauenproblem, sondern betreffe die gesamte Gesellschaft. Häufig beginne sie nicht erst mit körperlichen Übergriffen, sondern äußere sich bereits in Kontrolle, Verboten und Drohungen. Viele Formen von Gewalt seien auf den ersten Blick nicht sichtbar – umso wichtiger sei es, frühzeitig hinzusehen und präventiv zu handeln.
Als mögliche Präventionsmaßnahme wurde das sogenannte „Signal für Hilfe“ vorgeschlagen – ein unauffälliges Handzeichen, das es Betroffenen ermöglicht, still um Unterstützung zu bitten. Entwickelt wurde es von der Kanadischen Frauenstiftung im Kontext steigender häuslicher Gewalt während der Corona-Zeit. Inzwischen wird es weltweit genutzt und ist nicht nur auf häusliche Gewalt beschränkt, sondern kann in verschiedensten Bedrohungssituationen eingesetzt werden – unabhängig davon, ob sich die Gewalt gegen Frauen, Kinder oder Männer richtet.
Das Zeichen selbst ist einfach: Zunächst wird die offene Handfläche gezeigt, dann der Daumen in die Hand gelegt und anschließend von den vier Fingern umschlossen. Entscheidend für seine Wirksamkeit ist jedoch der Bekanntheitsgrad – sowohl bei jenen, die es verwenden, als auch bei jenen, die es erkennen und richtig deuten sollen. Genau hier besteht in Südtirol noch Nachholbedarf: Es fehlen bislang sowohl öffentliche Kampagnen als auch gezielte Aufklärungsarbeit. Dabei gibt es international bereits zahlreiche Fälle, in denen das Handzeichen dazu beigetragen hat, Entführungen, Vergewaltigungen und Fälle häuslicher Gewalt zu verhindern.
Trotz Zustimmung aus mehreren politischen Lagern, darunter auch den Grünen und dem Team K, lehnte die SVP den Antrag ab. Rosmarie Pamer begründete dies damit, dass ihre Partei aufgrund der als provokant empfundenen Migrationskritik der Liste JWA dem Vorschlag nicht zustimmen könne. Wörtlich erklärte sie, man werde „keine Anträge von einer Partei annehmen, die menschenverachtende Politik betreibt“. Der Antrag wurde schließlich mit 16 zu 15 Stimmen abgelehnt.
Damit zeigt die Landesregierung erneut, dass politische Abgrenzung für sie offenbar Vorrang vor konkreten Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Kindern hat.
